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Die Gemeinsame Selbstverwaltung muss wieder gestärkt werden! Versichertenberatung und -betreuung sind ureigene Kompetenzen der Krankenkassen

Walter Hoof, Vorsitzender des DAK Mitgliedergemeinschaft e. V.
Foto: © Privat

In den vergangenen Jahren hat sich die Rolle der gematik spürbar verändert. Der Einfluss der gemeinsamen Selbstverwaltung wurde seit Übernahme der mehrheitlichen Gesellschafteranteile durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zurückgedrängt und der staatliche Zugriff ausgeweitet. Dies hat dazu geführt, dass der Bund die Kompetenzen der gematik erweitert hat.

Dazu erklärt Walter Hoof, Vorsitzender der DAK Mitgliedergemeinschaft e. V. und stv. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Mitgliedergemeinschaften der Ersatzkassen e. V. (AGuM): „Staatlicher Einfluss im Gesundheitswesen hat sich noch nie bewährt. Die gemeinsame Selbstverwaltung ist ein Grundpfeiler für ein gut aufgestelltes und erfolgreiches Gesundheitswesen, das sich an einer exzellenten und modernen Versorgung messen lassen kann.“

Statt sich allein auf die Entwicklung und Vorgabe von technischen und strukturellen Voraussetzungen für digitale Gesundheitslösungen zu konzentrieren, entwickelte die gematik auf Geheiß des Bundesministeriums für Gesundheit mit der e-Rezept-App eine eigene digitale Gesundheitsanwendung, die für alle Krankenkassen verbindlich ist. Dadurch wird die gematik zum aktiven Marktteilnehmer.

In Verbindung mit der im Juli gestartet Kunden-Hotline zur Unterstützung der Nutzer der e-Rezept-App bei der gematik, wird den Krankenkassen nun die bisher alleinige Zuständigkeit für den direkten Kundenkontakt bei digital verordneten Arzneimitteln streitig gemacht. „Sowohl der direkte Versichertenkontakt als auch die Entwicklung von digitalen Dienstleistungen muss allein den Krankenkassen obliegen. Dazu gehört auch die damit verbundene Kundenbetreuung. Diese ureigene Kompetenz sollten sich die Krankenkassen nicht mit einer mehrheitlich staatlichen Institution teilen müssen“, so Walter Hoof.

Solche Durchgriffe des Staates bringen den Wettbewerb um innovative Lösungen in einem System ohne viele Differenzierungsmöglichkeiten zum Erliegen. „Die nächste Bundesregierung sollte den institutionellen Einfluss des Staates auf das Gesundheitswesen überprüfen und der gemeinsamen Selbstverwaltung wieder mehr Vertrauen schenken“, so Walter Hoof abschließend.

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